BAURECHT

Holzwurmbefall übersehen – Schadensersatz!

OLG Saarbrücken, Urteil vom 17.12.2015, Az.: 4 U 140/14

Der Erwerber (E) eines Altbaus beauftragte einen Handwerksbetrieb (H) mit der Sanierung des Dachstuhls. Nach der Fertigstellung zeigte sich, dass der Dachstuhl in erheblichem Umfang mit Holzwürmer befallen war und folglich die Standsicherheit gefährdet ist. E hielt die Leistung des H für mangelhaft und klagte auf Schadensersatz. H wandte ein, er habe den Holzwurmbefall nicht erkennen können. Außerdem habe er sich strikt an die Planung des von E beauftragten Architekten gehalten.

Die Klage war teilweise erfolgreich. Die Werkleistung des H sei mangelhaft. Er habe ein funktionstaugliches Werk geschuldet, was ihm in Anbetracht der fehlenden Standsicherheit nicht gelungen sei. Er könne sich nicht darauf berufen, die Vorgaben des Planers abgearbeitet zu haben. Vielmehr hätte er auf den Holzwurmbefall hinweisen müssen. Ausweislich eines Sachverständigengutachtens sei der Befall ohne Weiteres zu erkennen gewesen. H hätte entsprechend der Ausbildungsvorschriften des Dachdeckerhandwerks schlicht auf Bohrlöscher in den Balken sowie auf Mehlauswurf achten und die Balken mit einem Hammer stichprobenartig auf Holstellen prüfen müssen. Das Verschulden des von E beauftragten Architekten, der den Holzwurmbefall ebenso hätte erkennen müssen, entlaste H hinsichtlich der Haftung allerdings um zwei Drittel.

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