ARCHITEKTENRECHT

Zur Überwachungspflicht bei Ausführung eines WDV-Systems

BGH, Beschluss vom 05.06.2014, Az.: VII ZR 187/12

Ein öffentlicher Auftraggeber (AG) betraute einen Architekten (A) für die Sanierung und Erweiterung eines Krankenhauses mit den Leistungsphasen 1 bis 9 gem. § 15 Abs. 2 HOAI 1996. Nach Fertigstellung zeigten sich Risse im Wärmedämmverbundsystem. Ein Privatgutachter stellte gravierende Mängel bei der Verklebung fest. Da das ausführende Bauunternehmen mittlerweile insolvent war, klagte der AG gegen A auf Schadensersatz wegen unzureichender Bauüberwachung. A wandte ein, während der Bauarbeiten zwei- bis dreimal pro Woche vor Ort gewesen zu sein und stichprobenartig Kontrollen vorgenommen zu haben.

Die Klage war erfolgreich. A hafte dem AG auf Schadensersatz wegen mangelhafter Bauüberwachung. Zwar dürfen die Anforderung an die Objektüberwachung nicht überspannt werden. Ein Architekt müsse sich nicht ständig auf der Baustelle aufhalten. Bei einfach gelagerten Arbeiten dürfe er sich auf das handwerkliche Geschick verlassen. Ein Wärmedämmverbundsystem sei aber ein technisch anspruchsvolles, kompliziertes und sensibles Werk, das neben Windkräften auch thermischen Faktoren ausgesetzt ist. Hieraus erwachse eine gesteigerte Bauüberwachungspflicht. Die Erfüllung dieser Pflicht habe A nicht nachgewiesen. Insbesondere lasse sich dem Bautagebuch nicht entnehmen, für welche Zeitdauer er jeweils auf der Baustelle war und ob tatsächlich Stichproben erfolgt sind.

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