BAURECHT

Volle Haftung des Bauunternehmers trotz Planungsfehlers

OLG Stuttgart, Urteil vom 15.04.2014, Az.: 10 U 127/13

Ein Architekt (A) plante ein Dach mit Aufdachdämmung und durchgehenden Doppelsparren. Im Leistungsverzeichnis nahm er den Hinweis auf, dass die Ausführung den Richtlinien des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) entsprechen soll. Nach Fertigstellung zeigte sich, dass das Dach nicht die erforderliche Luftdichtigkeit aufweist. Der Bauherr klagte gegen den Bauunternehmer (BU) auf Schadensersatz in Höhe von ca. 42.000 Euro. Der BU wandte ein, dass die Planung des A mangelursächlich sei. Das habe er erkannt und den A mündlich darauf hingewiesen. Das Landgericht erblickte aus dem Grund ein Mitverschulden des A und kürzte den Anspruch des Bauherrn gegen den BU um 50 %.

Hiergegen wandte sich A als Streithelfer des Bauherrn erfolgreich mit seiner Berufung. Es liege zwar ein Planungsfehler vor, weil der pauschale Hinweis auf die Richtlinien des ZVDH im Leistungsverzeichnis unzureichend sei. Die Prüfung, welche Musterdetails der Richtlinien auf das konkrete Werk anzuwenden und inwieweit Anpassungen erforderlich sind, dürfe nicht dem Werkunternehmer überlassen werden. Den Planungsfehler sowie die hieraus resultierenden Folgen habe der BU zwar erkannt. Seinen Bedenkenhinweis – den er im Übrigen an den Bauherrn hätte richten müssen – habe er hingegen nicht beweisen können. Aufgrund dessen könne er sich nicht auf ein Mitverschulden des A berufen.

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