ARCHITEKTENRECHT

Gesteigerte Pflicht zur Bauüberwachung bei Errichtung einer Glasfassade

OLG Hamm, Urteil vom 20.12.2013, Az.: 12 U 79/13

Ein Architekt (A) war für die Errichtung einer Feuerwache u. a. mit der Bauüberwachung betraut. Nach Fertigstellung traten im Innenraum, nahe der Glasfassadenkonstruktion, Feuchtigkeitsschäden auf. Ein Sachverständiger stellte Mängel an der Entlüftung der Fassade fest. Da das ausführende Metallbauunternehmen bereits insolvent war, verklagte der Bauherr (B) den A auf Schadensersatz in Höhe von ca. 25.000 Euro wegen mangelhafter Bauüberwachung. A wandte ein, dass die Glasfassade aus einem System von Pfosten und Riegeln bestehe, die lediglich den Vorgaben des Herstellers entsprechen hätten zusammengebaut werden müssen. Das sei nicht besonders überwachungsbedürftig gewesen.

Das Oberlandesgericht folgte der Auffassung des A nicht und gab der Klage des B statt. Eine Glasfassadenkonstruktion sei für die Dichtigkeit eines Gebäudes von wesentlicher Bedeutung und ein besonders schadensträchtiges Gewerk. Demnach bestehe für einen Architekten eine gesteigerte Pflicht zur Bauüberwachung. Der vorliegende Fall bilde hiervon keine Ausnahme. Bei den Fassadenelementen habe es sich keineswegs um standardisierte Fertigbauteile gehandelt. Vielmehr habe das Metallbauunternehmen die Entwässerung- und Entlüftungsvorrichtungen vor Ort individuell anpassen müssen.

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