BAURECHT

Frisch gestrichene Wand vergilbt nach kurzer Zeit – Mangel?

BGH, Urteil vom 31.08.2017, Az.: VII ZR 5/17

Eine Großbäckerei (AG) beauftragte einen Maler (M) mit dem Weißen einer Produkti-onshalle. Später überwarfen sich die Ver-tragsparteien, sodass der Auftrag einver-nehmlich beendet wurde. Als M Werklohn für die erbrachte Leistung forderte, wandte der AG ein, dass die gestrichenen Flächen bereits nach sieben Monaten fleckig wirk-ten und vergilbt seien. M erhob Klage auf Zahlung seines Werklohns. Im Prozess erläuterte ein Sachverständiger, dass kein wesentlicher Mangel vorliege, weil bei wei-ßen Farbtönen eine dauerhafte Farbstabili-tät nicht realisierbar sei. Als das Oberlan-desgericht der Klage deshalb stattgab, legte der AG Revision ein.

Über die Klage konnte noch nicht abschlie-ßend entschieden werden. Der Bundesge-richtshof wies den Rechtstreit zur weiteren Aufklärung an die Vorinstanz zurück und stellte klar, dass sich die Mangelhaftigkeit in erster Linie danach beurteile, ob das Werk die vereinbarte Beschaffenheit aufweist. Das Oberlandesgericht habe sich die Aus-führungen des Sachverständigen daher nicht ohne Weiteres zu eigen machen dür-fen. Entscheidend sei, welche Farbstabilität der AG berechtigter Weise erwarten durfte. Insoweit seien die vertraglichen Vereinba-rungen und der Umstand zu würdigen, dass der AG nicht über Fachwissen verfügte. Die frühzeitige Vergilbung der Wände müs-se der AG daher nur dann hinnehmen, wenn ihn M über dieses Risiko rechtzeitig aufgeklärt hatte.

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