ARCHITEKTENRECHT

Überwachungspflicht bei Schweißarbeiten im Dachbereich

OLG Karlsruhe, Urteil vom 04.04.2017, Az.: 19 U 17/15

Ein öffentlicher Auftraggeber (AG) betraute einen Architekten (A) für die Sanierung eines Schulgebäudes mit der Bauüberwa-chung. Während Schweißarbeiten im Dachbereich kam es zu einem Brand, wo-raufhin das Gebäude abgerissen und neu errichtet werden musste. Der AG einigte sich mit dem Dachdecker vergleichsweise auf die Zahlung von 1,5 Mio. € Schadens-ersatz. Den weitergehenden Schaden i. H. v. etwa 860.000 € verlangte der AG klage-weise von A ersetzt. Er habe es versäumt, Brandschutzvorkehrungen zu treffen. Dem hielt A entgegen, dass in erster Linie der Dachdecker für die Verkehrssicherungs-pflicht verantwortlich gewesen sei.



Das Oberlandesgericht entschied in einem Grundurteil, dass A für den entstandenen Schaden hafte. Schweißarbeiten im Dach-bereich seien gefahrenträchtige Arbeiten, die eine gesteigerte Bauüberwachung er-fordern. A hätte sich daher mit den berufs-genossenschaftlichen Unfallverhütungs-pflichten befassen müssen, auch wenn sich die Vorschriften in erster Linie an das aus-führende Bauunternehmen richten. Auf diese Weise hätte A erkannt, dass die ge-botene Hinzuziehung von Brandposten un-terblieben war und erforderliche Feuerlö-scheinrichtungen im Dachbereich nicht zur Verfügung standen. Es spreche der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass der Brandschaden bei Beachtung der Vor-schriften verhindert worden wäre.

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