ARCHITEKTENRECHT

Schadensersatz wegen Fehlerhaftigkeit des Berechnungsprogramms?

OLG Köln, Urteil vom 31.05.2017, Az.: 16 U 98/16

Ein Auftraggeber (AG) beauftragte einen Ingenieur (I) mit der Tragwerksplanung im Umfang der Leistungsphasen 1 bis 5 gem. § 64 HOAI 2002 für die Errichtung von 8 Mehrfamilienhäusern. Der Prüfstatiker be-anstandete mehrmals die statischen Be-rechnungen, wodurch es zu Verzögerungen kam. In Höhe der hiermit verbundenen Mehrkosten machte der AG Schadenser-satz geltend. I wandte ein, dass das von ihm eingesetzte Berechnungsprogramm fehlerhaft gewesen sei. Ihn treffe daher kein Verschulden.

Die Schadensersatzklage des AG hatte Erfolg. Ein Tragwerksplaner dürfe sich zwar auf die branchenüblichen Berech-nungsprogramme verlassen. Etwas ande-res gelte jedoch, wenn ein Programm of-fensichtlich fehlerhaft ist oder konkrete Hinweise auf Unstimmigkeiten vorliegen. Die Beanstandungen des Prüfstatikers hät-te I daher zum Anlass nehmen müssen, seine Berechnungen umgehend mithilfe eines anderen Programms oder notfalls händisch nachzuprüfen. Dass I solche Kon-trollmaßnahmen unterließ, sei fahrlässig.

Hinweis:

Die Entscheidung verdeutlicht, wie wichtig eine zeitnahe Selbstkontrolle ist. Sie unter-schlägt aber auch, dass Mehrkosten nicht ersatzfähig sein dürften, wenn sie zu einer Zeit entstanden sind, als der Ingenieur nachweislich noch auf die Funktionstüch-tigkeit seiner Programme vertrauen durfte.

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