ARCHITEKTENRECHT

Zur Hemmung der Verjährung durch Verhandlungen

OLG Schleswig, Urteil vom 28.04.2017, Az.: 1 U 165/13

Ein Bauherr (B) betraute einen Architekten (A) für die Errichtung eines Anbaus mit den Leistungsphasen 1 bis 9 gem. § 15 Abs. 2 HOAI 1996 (sog. Vollarchitektur). Die Abnahme der Bauarbeiten erfolgte im April 2002. Später traten Nässeschäden im Deckenbereich zum Vorschein. B informierte A und beauftragte im Jahr 2011 einen Privatgutachter. Als dieser eine Fehlkonstruktion des Flachdaches feststellte, berief sich A auf die Verjährung seiner Haftung. Im Juni 2012 klagte B gegen A auf Schadensersatz i. H. v. 60.000 €.

Die Klage war erfolgreich. Der Schadensersatzanspruch sei noch nicht verjährt. Ansprüche gegen einen Architekten unterliegen der fünfjährigen Verjährungsfrist. Gehört die Objektbetreuung (Leistungsphase 9) zum Auftragsumfang, beginne die Verjährungsfrist regelmäßig erst mit dem Ablauf der fünfjährigen Gewährleistung der ausführenden Bauunternehmen. Die Gewährleistung lief hier – gerechnet ab Abnahme im April 2002 – im April 2007 ab. Weitere fünf Jahre später wären sodann im April 2012 die Ansprüche gegen A verjährt. Allerdings sei die Verjährung gem. § 203 BGB wegen zwischenzeitlicher Verhandlungen gehemmt worden. Verhandlungen seien darin zu erblicken, dass A die Schadensursache untersuchte und seine Verantwortlichkeit nicht sofort ablehnte.

Hinweis:

Die Entscheidung zeigt, wie wichtig bei der Vollarchitektur die Vereinbarung einer Teilabnahme nach der Leistungsphase 8 ist. In dem Fall tritt die Verjährung von Ansprüchen wegen Fehlern bei der Planung und Objektüberwachung deutlich eher ein.

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