BAURECHT

Zur Ersatzfähigkeit der Kosten eines Privatgutachters

LG Bochum, Urteil vom 16.06.2016, Az.: 8 O 400/15

Ein Bauherr (B) bemängelte die Arbeit des beauftragten Fliesenlegers (F) und verweigerte die Abnahme. Er meinte, zwei Fliesen seien nicht ordnungsgemäß verlegt und Silikonfugen fehlten. F bestritt die Mängel und forderte seinen Werklohn. B beauftragte daraufhin einen Sachverständigen, der feststellte, dass die Fliesen insgesamt nicht fluchtgerecht verlegt und an mindestens sechs Stellen Schallbrücken vorhanden seien. B forderte F vergebens zum Komplettaustausch auf, bevor er hiermit eine andere Firma betraute. Die Mängelbeseitigungskosten und die Kosten des Privatgutachters machte er sodann gegen F klageweise geltend.

Die Klage hatte Erfolg. B habe F erfolglos eine Frist zur Mängelbeseitigung gesetzt. Er habe die Mängel daher selbst beseitigen dürfen und könne die aufgewandten Kosten ersetzt verlangen. Auch seien die Kosten des Privatgutachters ersatzfähig. Die Beauftragung des Privatgutachters sei wegen der bereits ersichtlich mangelhaften Werkleistung erforderlich gewesen. Insbesondere aber beschränkte sich der Gutachterauftrag auf die Feststellung von Mangelerscheinungen bzw. Symptomen.

Hinweis:

Das Gericht wies darauf hin, dass Feststellungen zu den Ursachen aufgezeigter Mängel dem Werkunternehmer obliegen. Ein vom Bauherrn beauftragtes Privatgutachten, das die Ursachenforschung umfasst, sei daher regelmäßig nicht erforderlich. Die hiermit verbundenen Kosten wären nicht ersatzfähig.

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